Hallux valgus

auch: Schiefstellung der Großzehe, Großzehenballen

Die relativ häufige Anspreiz-Fehlstellung der Großzehe entsteht meist bei erblicher Vorbelastung und wird durch zu enges Schuhwerk oder hochhackiges Schuhwerk verstärkt. Die Großzehe weicht nach außen („Hallux valgus“) und der Kopf des 1. Mittelfußknochens („Großzehenballen“) nach innen ab. Der Vorfuß verbreitert sich. Durch die Fehlstellung verändert sich die Zugrichtung einiger Sehnen, so dass diese die Großzehe weiter in die Fehlstellung ziehen.

Die Fehlstellung bereitet meist keine direkten Beschwerden, jedoch können durch das Hervorstehen des Großzehenballens neben den kosmetischen Problemen auch stark schmerzhafte lokale Druckstellen, Schwellungen und Entzündungen entstehen. 

Zudem kann der Hallux valgus zu Folgeschäden führen. Im Großzehengrundgelenk können Knorpelschäden auftreten („Arthrose“), zudem können sich Fehstellungen und Beschwerden in den Kleinzehen entwickeln. Häufig besteht eine „Metatarsalgie“, ein Schmerz im Bereich der anderen Mittelfußknochen der durch die dortige Überbelastung entsteht.

Der Hallux valgus wird anhand der Fehlstellung in eine leichte, eine mittlere und eine schwere Form eingteilt. Anhand des Schweregrades werden unterschiedliche Therapieverfahren bevorzugt.

Leichte Form

Bei der leichten Form sollten zunächst konservative Therapiemaßnahmen durchgeführt werden. Sollten diese jedoch keine ausreichende Beschwerdebesserung herbeiführen, ist eine operative Therapie empfehlenswert.

Als Basismaßnahme ist hier die Entfernung des Knochenüberstandes innenseitig am Großzehenballen kombiniert mit einer Lockerung der äußeren Weichteile am Großzehengrundgelenk erforderlich.

Meist ist trotz der geringen Ausprägung die alleinige Entfernung der Knochenvorsprungs nicht ausreichend. Dann ist eine knöcherne Korrektur mittels Sägeschnitten („Osteotomie“) erforderlich. Eine möglich operative Therapie ist die Chevron-Osteotomie.

Chevron-Osteotomie

Auch: Operation nach Austin/Chevron

Bei dieser Operation wir die Fehlstellung des Mittelfußknochens nah am Großzehengrundgelenk korrigiert und mittels einer Schraube fixiert. Der Fuß darf anschließend für 6 Wochen nur in einem speziellen Schuh vollbelastet werden.

Mittelschwere Form

Bei der mittelschweren Form liegt bereits eine deutliche Abweichung der Großzehe sowie ein größerer Winkel zwischen den ersten beiden Mittelfußknochen vor. Der Großzehenballen ist meist deutlich entzündet und (auch in Ruhe) schmerzhaft. Zudem wird die zweite Zehe zunehmend von der Großzehe bedrängt. Eine möglich operative Therapie ist die Scarf-Osteotomie (s.u.).

Scarf-Osteotomie

Auch: Operation nach Meyer/Scarf

Bei dieser Operation erfolgt die Korrektur der Fehlstellung nahezu über die gesamte Länge des Mittelfußknochens. Aufgrund des z-förmigen Sägeschnittes können auch größere Fehlstellungen sicher und stabil korrigiert werden. Der Knochen wird anschließend mit Schrauben fixiert. Die Nachbehandlung erfolgt wie bei Chevronosteotomie, der Fuß darf während der meist sechswöchigen Heilungsphase nur in einem Spezialschuh vollbelastet werden. 

Schwere Form

Bei der schweren Form besteht bereits eine ausgeprägte Fehlstellung. Der Großzehenballen steht sehr weite nach innen vor und die Großzehe verdrängt die zweite Zehe. Neben den Schmerzen am Großzehenballen treten aufgrund der Überbelastung meist starke Schmerzen unter dem zweiten und dritten Mittelfußknochen („Metatarsalgie“) auf. Geläufige operative Therapiemethoden sind die basisnahe Osteotomie des ersten Mittelfußknochens oder die Lapidus-Arthrodese (s.u.).

Basisnahe MFK1-Osteotomie

Auch: basisnahe Umstellung des ersten Mittelfußknochens

Sollte eine stärkere Korrektur der Fehlstellung erforderlich sein, so ist die Korrektur körpernäher (d.h. weiter hinten) am Fuß durchzuführen. Bei der basisnahen MFK1-Osteotomie erfolgt die Korrektur der knöchernen Fehlstellung durch einen Sägeschnitt weiter hinten (fersenwärts) am ersten Mittelfußknochen. Die Stabilisierung erfolgt in der Regel mit einer Plattenosteosynthese.

Lapidus-Arthrodese

Auch: Versteifung des Gelenkes zwischen Kahnbein und erstem Mittelfußknochen, Tarsometatarsalgelenk-1-Arthrodese

Wenn das Gelenk zwischen dem Kahnbein und dem ersten Mittelfußknochen eine Instabilität, einen Verschleiß („Arthrose“) oder eine deutliche Fehlstellung aufweist, ist die Korrektur ggf. nur durch eine Versteifung des Gelenkes anzugehen. Hierbei wird der Gelenkknorpel entfernt und die Knochen verwachsen fest miteinander. Eine deutliche Einschränkung der Bewegungsfähigkeit ist trotz der Versteifung dieses Gelenkes nicht zu erwarten. Stabilisiert wird dies meist durch eine Kombination aus Schrauben und einer Platte.